Bauen mit Künstlicher Intelligenz?

Die Bauindustrie hat bisher nur begrenzt von den Potenzialen der vierten industriellen Revolution Gebrauch gemacht. Die digitale Transformation bietet eine einzigartige Gelegenheit zur Steigerung von Produktivität und Qualität. Die Chancen einer Integration moderner Produktionsmethoden mit den Möglichkeiten neuester Informations- und Kommunikationstechnologie werden jedoch unterschätzt. Building Information Modelling (BIM) revolutioniert den Entwurfsprozess von Gebäuden, indem es allen Beteiligten ermöglicht, an demselben bauteilbasierten 3D-Modell zu arbeiten. Obwohl BIM den Entwurfsprozess effizienter gestaltet, deckt es nur einen Teil der Digitalisierungsmöglichkeiten im Bauprozess ab. Das BIM-Modell steigert die Effizienz im Entwurfsprozess und vermeidet Diskrepanzen. Es soll auch dazu dienen, die Ist-Zustand-Planung zu integrieren, um das Facility Management und den Betrieb zu verbessern. Durch die vollständige Integration des Ausführungszeitplans kann der Ausführungsprozess vor Baubeginn simuliert und optimiert werden. Im Gegensatz zur stationären Industrie stehen die während des gesamten Produktionsprozesses anfallenden Daten in der Bauindustrie aktuell noch kaum im Fokus der Optimierungsbemühungen.

Klingt das zu abstrakt? Bitte lesen Sie noch etwas weiter.

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Digitalisierung und KI

Die Vorstellungen darüber, was Digitalisierung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Bauwesen bedeuten, gehen weit auseinander. Es fehlt an fundiertem Wissen und Erfahrung. Einige Kollegen glauben, dass ein gescanntes Blatt Papier der wichtigste Schritt zur Digitalisierung ist, während andere bei KI nur an große Roboter denken, die ganz selbständig bauen.

Die Veröffentlichung von ChatGPT hat einen Sturm öffentlicher Aufmerksamkeit erregt. Die Möglichkeit, mit einem Computer menschenähnlich zu kommunizieren, Fragen zu stellen und sowohl fachlich fundierte als auch kreative Antworten zu erhalten, beeindruckt die Menschen.  Diese Entwicklung hat eine enorme Dynamik ausgelöst, die Investitionen anzieht und die Fantasie der Menschen anregt. Es ist erkennbar, dass sich Berufsbilder sehr schnell ändern könnten und Geschäftsmodelle neu definiert werden müssen. Beispielsweise werden die Filmindustrie oder Übersetzungsbüros als erste davon betroffen sein. In der Baubranche besteht oft der Irrglaube, dass KI-Methoden keine Rolle spielen. Dies ist jedoch falsch. KI-Methoden treiben die rasante Entwicklung der digitalen Transformation voran. Automatisierung durch smarte Steuerung wird nicht nur die stationäre Industrie, sondern auch Baustellenprozesse und Abläufe verändern.

Bauunternehmen verbessern die Wirtschaftlichkeit und Qualität von Bauwerken durch eigene Vorschläge. Durch KI-Unterstützung kann der Prozess der Ausarbeitung und Kalkulation von Sondervorschlägen deutlich verbessert werden. Der Aufwand wird reduziert und die Zuverlässigkeit erhöht. Ein weiteres Beispiel ist die Dokumentation und Qualitätssicherung der Bauproduktion. Bauleiter sind heute stark mit bürokratischen Prozessen beschäftigt. Eine durchgängige Digitalisierung aller Prozesse hilft dem Baustellenpersonal. Wenn jedoch neben einem Tablet auch noch ein Klemmbrett im Einsatz ist und nicht alle Daten auf jedem Endgerät verfügbar sind, dann ist niemandem geholfen.

Es gibt tatsächlich enorme Entwicklungen, wie körperliche Arbeit im Bauprozess durch Robotik ersetzt werden kann. Wir sollten jedoch zunächst vor allem die leicht erreichbaren Potentiale heben. In den letzten Jahrzehnten hat die Anzahl der Mitarbeiter in Planung und Verwaltung überproportional zugenommen. Durch die Digitalisierung lassen sich hier enorme Produktivitätssteigerungen erzielen.

Und wie geht es weiter?

Es empfiehlt sich, zwei Jahre vorauszudenken und nicht alles auf einmal integrieren zu wollen. Der Verantwortliche für die Digitalisierung im Unternehmen sollte der Bauausführung näher stehen als der IT-Abteilung. Wählen Sie eine moderne Software für alle wichtigen täglichen Prozesse, von der Kundenkommunikation bis zum Bautagebuch. Stellen Sie sicher, dass Schnittstellen und Datenrechte klar geregelt sind. Die großen, bekannten deutschen Anbieter von Bausoftware sind nicht unbedingt die beste Wahl. Um zu starten, sollten Sie sich auf zwei Baustellen konzentrieren. Es ist wichtig, von Anfang an für eine gute Internetverbindung und Hardware zu sorgen. Vergessen Sie auch nicht, Ihr Team zu schulen. Nach Abschluss des Pilotprojekts können Sie die gewonnenen Erfahrungen auf das gesamte Unternehmen übertragen.

Durch diesen Weg werden Sie in Zukunft nicht nur effizientere Verwaltungsprozesse haben, sondern auch alle Daten digital verfügbar haben. Diese Daten können dann zur Optimierung genutzt werden. KI-Methoden leisten in allen Schritten einen immer größeren Beitrag. Von der Spracheingabe des Mängelprotokolls bis zur vorausschauenden Wartung von Baugeräten, um Ausfallzeiten zu vermeiden – die Bandbreite an Anwendungen von KI in der Baubranche ist groß.

Und natürlich werden Sie auch dabei sein, wenn flexible, mobile Roboter unsere Baustellen künftig unterstützen.

Dieser Artikel soll als Anregung dienen. Diskutieren Sie gerne mit!

1 Gedanke zu „Bauen mit Künstlicher Intelligenz?“

  1. KI wird erst durchgeschlossene Wertschöpfungskette von Planung über Vorfertigung zu Baustellenfertigung, Gebäudebetrieb, Um-und Rückbau (geschlossener Kreislauf mit weitestgehender Wiederverwendung undv Weiterverwertung) durch Automatisierung und Roboterisierung erschwinglich wirksam. Beispiele dazu seit 1978 hier nachlesbar:

    https://www.cambridge.org/de/universitypress/collections/cambridge-handbooks-construction-robotics

    Weiteres Aktuelles auf:

    http://www.rod.de

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