Mein Kommentar (Arnulf Christa): 34 Milliarden für Straßen und Schienen sind gut für die Bauindustrie – aber die fehlende Unterstützung für Wohnungsbau und Sanierung ist ein politisches Versprechen, das nicht eingelöst wird. Ohne Investitionen in den Gebäudebestand werden wir unsere Klimaziele nicht erreichen und die Wohnungskrise nicht lösen.
Der Beschluss des Bundesabinetts zum Bundeshaushalt 2026 mobilisiert rund 34 Milliarden Euro für Straße, Schiene und Wasserstraße aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK). Die Schiene erhält besondere Aufmerksamkeit: 22 Milliarden Euro sind für 2025 und 2026 vorgesehen—mehr als eine Verdopplung gegenüber 2023. Dies signalisiert entschlossenes staatliches Engagement zur Sicherung der Wirtschaftsinfrastruktur und zur Erreichung der Klimaziele.
Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) meldet erstmals wieder positive Signale für Geschäftsklima und Wachstumsperspektiven im Infrastrukturbereich. Bauunternehmen mit Spezialisierung auf Bahnmodernisierung, Straßenunterhalt und Wasserstraßensysteme erwarten starke Nachfragevisibilität bis 2027. Allerdings offenbart die Haushaltsstruktur ein fundamentales Ungleichgewicht: Der Wohnungsbau und Energiesanierungsprogramme erleben Kürzungen um rund drei Milliarden Euro, ohne entsprechende Investitionsmechanismen oder alternative Finanzierungspfade.
Für die deutsche Baubranche schafft diese Haushaltstrajektorie asymmetrische Marktbedingungen. Infrastrukturaufträger profitieren von zuverlässiger öffentlicher Nachfrage, während Wohnungsentwickler, Energieeffizienz-Spezialisten und Wohnbaubetriebe mit eingeengten Nachfrageperspektiven konfrontiert sind. Der ZDB hat die politische Widersprüchlichkeit öffentlich kritisiert: Deutschland sieht sich gleichzeitig Wohnungsengpässen und Klima-Sanierungsimperativen gegenüber—doch die Haushaltslogik priorisiert Infrastruktur über Wohnungsneubau und energetische Bestandsmodernisierung. Diese strukturelle Fehlausrichtung schafft strategische Herausforderungen für breite Teile des deutschen Baugewerbes bis 2026/2027.
