Mein Kommentar (Arnulf Christa): Der Pfaffensteigtunnel zeigt ein bekanntes Muster: Eisenbahngroßprojekte in Deutschland kalkulieren regelmäßig zu niedrig, hier sind es 800 Millionen Euro mehr als geplant. Für Generalunternehmer wie STRABAG und ZÜBLIN wird es spannend, weil unabhängige Experten von 3,5 bis 4 Milliarden ausgehen.
Am 12. Oktober 2026 wurde der Pfaffensteigtunnel in Stuttgart im Beisein von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, Landesverkehrsministerin Nicole Razavi und DB-Vorstandsvorsitzender Evelyn Palla symbolisch angeschlagen. Der Infraplan 2026 veranschlagt die Tunnelbaukosten nun mit 2,5 Milliarden Euro – eine deutliche Steigerung gegenüber dem ursprünglichen Bundeshaushalt von 1,7 Milliarden Euro. Diese Kostensteigerung um 800 Millionen Euro hat heftige Kritik von Umwelt- und Verkehrspolitikern ausgelöst.
Die Deutsche Umwelthilfe forderte daraufhin den sofortigen Baustopp und begründet dies nicht nur mit der Kostensteigerung, sondern auch mit Zweifeln an der Leistungsfähigkeit des Stuttgarter Tiefbahnhofs. Unabhängige Kostenanalytiker rechnen bereits mit realen Ausgaben von 3,5–4 Milliarden Euro. Das Projekt wird von der DB InfraGO AG mit Bundesfinanzierung durchgeführt. Auftragnehmer sind STRABAG und ZÜBLIN im Konzernverbund, unterstützt durch ein Allianz-Partnernetzwerk bestehend aus FCP, Geoconsult, Hörmann, iC-Consulenten, Rhomberg Bahntechnik, Spitzke, Swietelsky und Wayss & Freytag nach dem Integrated-Project-Alliance-Modell.
Der Baubeginn erfolgte im Februar 2026 mit geplanter Fertigstellung im Dezember 2033. Der Tunnel bildet ein kritisches Element des Eisenbahn-Ausbaus Stuttgart–Ulm und des übergeordneten Programms Stuttgart 21, das zum Inbegriff der Kostenentwicklung in der deutschen Großverkehrsinfrastruktur geworden ist.
Quelle: Bahnprojekt Stuttgart–Ulm
