Mein Kommentar (Arnulf Christa): Nach 2,5 Jahren Stillstand geht Südkoreas größtes Schnellbahnprojekt wieder voran – das ist ein Signal für die gesamte Region. Solche Kostendebatten sind normal, aber die fehlende Flexibilität bei Preisgleitklauseln führt zu langen Verzögerungen, die am Ende teurer kommen. Für deutsche Bauunternehmen zeigt sich hier: In Asien sind starre Verträge ein Risiko, und wer langfristig dort arbeiten will, muss mit Nachverhandlungen rechnen.
Das südkoreanische Ministerium für Land, Infrastruktur und Transport gab am 14. September bekannt, dass die GTX-C-Expressbahn – nach fast zwei Jahren und acht Monaten Verzögerung aufgrund gestiegener Material- und Lohnkosten – am 15. September 2026 den Bau aufnahm. Die 86,6 Kilometer lange Strecke verbindet Deokjeong in Yangju durch die Seouler Innenstadt über Cheongnyangni, Samseong und Yangjae bis zum Bahnhof Suwon und Sangnoksu in der Provinz Gyeonggi.
Der Streit wurde durch ein Schiedsverfahren der Korea Commercial Arbitration Board im April 2026 beigelegt, das eine Erhöhung der Gesamtprojektkosten auf 4,9272 Billionen Won (etwa 3,2 Milliarden Euro) bewilligte. Hyundai Engineering & Construction führt das Konsortium an, während Hyundai Rotem das Rollmaterial im Wert von etwa 389 Millionen USD (355 Millionen Euro) liefert.
Die Projektstruktur stellt ein BTO-Modell (Build-Transfer-Operate) dar, das private Investitionen mit öffentlichen Infrastrukturzielen verbindet. Mit geplanter Baudauer von 60 Monaten soll die GTX-C-Linie in der zweiten Hälfte 2031 in Betrieb gehen. Das Projekt dient deutschen Infrastrukturfirmen als Referenzbasis bei der Bewertung öffentlich-privat finanzierter U-Bahn-Systeme und verdeutlicht Kostensteigerungsrisiken in langfristigen Nahverkehrsverträgen.
Quelle: Construction Review Online
